Reichswahlgesetz 1920

Ein Wahlzettel für die Wahl von 1928

Das Reichswahlgesetz vom 27. April 1920 war ein Gesetz in der Weimarer Republik. Es regelte die Wahlen zum Reichstag, dem Parlament Deutschlands. Erlassen wurde es von der Weimarer Nationalversammlung, die damals noch als Ersatzparlament anstelle eines Reichstags amtierte (Art. 180 WRV). Damit kam die Nationalversammlung einem Auftrag der Weimarer Verfassung vom 11. August 1919 nach (Art. 22 Abs. 2 WRV).

Anlass für die schließlich eilige Verabschiedung des Gesetzes war der Kapp-Putsch vom März des Jahres. Die Nationalversammlung wollte der Kritik gerade von Rechts Wind aus den Segeln nehmen. Die Putschisten rechtfertigten sich nämlich damit, dass trotz neuer Verfassung der Reichspräsident noch nicht vom Volke gewählt und die Nationalversammlung noch nicht von einem verfassungsmäßigen Reichstag abgelöst worden war.

Die Nationalversammlung selbst war anhand einer Wahlordnung vom 30. November 1918 gewählt worden. Diese war vom Rat der Volksbeauftragten erlassen worden. Zwischen dem Wahlsystem des Rates und dem Wahlsystem des neuen Gesetzes gab es einige wichtige Unterschiede; so wählte man die Nationalversammlung mit Mehrpersonen-Wahlkreisen und die späteren Reichstage nach Listen auf drei verschiedenen Ebenen. Die Grundsätze der Wahl waren allerdings dieselben: Das neue Gesetz führte das Prinzip der Verhältniswahl und das Wahlrecht auch für Frauen fort.

Gewählt nach dem Gesetz wurde erstmals im Juni 1920. Das Reichswahlgesetz galt für insgesamt acht Reichstagswahlen einschließlich der Wahl vom März 1933, die bereits unter dem nationalsozialistischen Terror stattfand. Im Nationalsozialismus gab es noch drei weitere Wahlen. Die alte Gesetzgebung blieb in Kraft, allerdings lag nur eine einzige Liste vor, die der Nationalsozialisten.