Organspendeskandal in Deutschland

Der Organspendeskandal in Deutschland handelt von mutmaßlichen Richtlinienverstößen einzelner Transplantationszentren, um die Wahrscheinlichkeit der Leber-Organvergabe an Patienten des eigenen Zentrums zu erhöhen, die auf eine Lebertransplantation warten. Der vollständige Bericht der Prüfungs- und Überwachungskommission der Ständigen Organkommission Organtransplantation (STÄKO) der Bundesärztekammer (BÄK) ist auf der Webseite der BÄK einsehbar.[1] Im Einzelnen heißt es im Kurzstatement des Berichtes in Auszügen:

In den Jahren 2010 und 2011 wurden in Deutschland insgesamt 2303 postmortal gespendete Lebern transplantiert.

  • In 24 Transplantationszentren wurden die Krankenakten von insgesamt 1180 Empfängern postmortal gespendeter Lebern geprüft.
  • In den vier Transplantationszentren Göttingen, Leipzig, München rechts der Isar und Münster wurden schwerwiegende Richtlinienverstöße unterschiedlicher Ausprägung festgestellt.
  • In Göttingen ergab sich aufgrund der Art der Verstöße, der Umstände im Einzelfall sowie der Häufigkeit des Auftretens der Verdacht auf systematische oder bewusste Falschangaben zur Bevorzugung bestimmter Patienten.
  • Auch in Leipzig, München rechts der Isar und Münster ergaben sich eindeutige Anhaltspunkte für systematische Falschangaben, wenn auch teilweise in zahlenmäßig geringerem Umfang.
  • In zwanzig Transplantationszentren wurden keine bzw. nur solche Richtlinienverstöße festgestellt, bei denen sich aufgrund der Umstände des Einzelfalls oder der geringen Anzahl kein Verdacht auf systematische oder bewusste Falschangaben zur Bevorzugung bestimmter Patienten ergab (z. B. Dokumentationsfehler, Flüchtigkeitsfehler, Bewertungsfehler).
  • Es haben sich keine Anhaltspunkte ergeben, dass privatversicherte Patienten oder sogenannte Non-ET-Residents bevorzugt behandelt und transplantiert worden wären.
  • Das beschleunigte Vermittlungsverfahren hatte bei Leberspenden 40 % erreicht. Eine sorgfältige Prüfung der Umstände ist nicht erfolgt. Welche Zentren in welchem Umfange davon Gebrauch machten, ist nicht mitgeteilt worden.
  • Die Wartelisten wurde im Hinblick auf die Berechtigung nicht überprüft. Die Zahl der Patienten, die auf ein Organ gewartet haben, hat sich mittlerweile halbiert, wenn man von nierenkranken Patienten absieht.

In Berlin, Hamburg, Hannover, Magdeburg und Würzburg wurden keine Richtlinienverstöße festgestellt (siehe S. 17 des Prüfberichtes).[2]

[3]