Meuchelfoto

Hof eines Miethauses in Wien: Je nach Bildtext werden Stadtverwalter, Immobilienbesitzer oder die Mieter an den Pranger gestellt

Als Meuchelfoto werden Bilder von Personen, manchmal auch Gegenständen, Architektur oder Landschaften bezeichnet, die den Abgebildeten oder das Abgebildete in schlechtem Licht, lächerlich oder minderwertig erscheinen lassen. Der Begriff "Meuchelfoto" entstand im Umfeld des Redaktionsjargons von Massenmedien und wurde in Analogie zum Meuchelmord geprägt, der das Opfer definitionsgemäß auf "heimtückische, heimliche, hinterhältige Weise" trifft. Das Meuchelfoto ist meist eine gezielte Aggression, Kritik oder Entlarvung und bewegt sich in einem Grenzbereich zwischen Reportage, Satire, Schnappschuss und künstlerischer Fotografie.

Charakteristika

Normalerweise wird das Meuchelfoto von der fotografierten Person nicht gewünscht und ist schon deshalb eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts oder des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Personen, die öffentlich bekannt sind, wie Politiker oder Künstler, können in der Regel die Veröffentlichung von Fotos nur verhindern oder dagegen klagen, wenn diese die private Sphäre verletzen. Die professionelle Herstellung von Fotos, die ehrschädigende, entwürdigende oder sonst wie kritische Wirkung haben sollen, brachte einen ganzen Berufsstand hervor, die Paparazzi. Eklatante, teilweise berühmt-berüchtigte Beispiele: Nacktfotos von Mitgliedern eines Königshauses, Politikern und bekannten Filmstars, oder Fotos Prominenter in intimen Umarmungen in einer geheimgehaltenen Beziehung, oder Fotos, die zeigen, wie jemand die Nerven verliert und gewalttätig wird.

Oft lässt nur der Moment der Aufnahme das Charakteristikum des Meuchelfotos zustande kommen: Etwa wenn die berühmte Person gerade in der Nase bohrt, in einer Parlamentssitzung schläft, gähnt oder sonst etwas tut, was man in der Öffentlichkeit vermeidet. Fotos einer Grimasse, die die Person unvorteilhaft aussehen lässt, werden von Politikern immer wieder veröffentlicht [1] und können von den Betroffenen nicht verhindert werden.

Prangerfunktion: Das Meuchelfoto übt keine sachliche Kritik am fotografierten Objekt, weil es seine eigenen Entstehungsbedingungen ausblendet, sondern rechnet mit den instinktiven Reaktionen des Betrachters: Abneigung, Lachlust, Ekel u. a. Fotoaufnahmen mit der "Candid Camera" (siehe Versteckte Kamera), bei denen Personen in ungewohnte Situationen gebracht werden, um sie lächerlich zu machen oder sonstwie bloßzustellen, können in die Kategorie der Meuchelfotos fallen.