Knut Wolfgang Nörr

Knut Wolfgang Nörr (* 15. Januar 1935 in München; † 15. Januar 2018 in Tübingen) war ein deutscher Rechtswissenschaftler.

Knut Wolfgang Nörr legte 1952 die Reifeprüfung ab. Er studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg und München. Er legte 1962 das zweite juristische Staatsexamen ab. Zwei Jahre später wurde er promoviert. Im Jahr 1966 wurde er im Alter von 31 Jahren ordentlicher Professor an der Universität Bonn. Nörr habilitierte sich 1967 über das private Wissen des Richters im Mittelalter für die Fächer Römisches Recht, Neuere Privatrechtsgeschichte, Kirchenrecht und Bürgerliches Recht. Ab 1971 lehrte er als Nachfolger von Dieter Medicus auf dem Lehrstuhl für Römisches und Bürgerliches Recht an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Berufungen auf den Direktorenposten des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main und auf den Lehrstuhl seines Lehrers Stephan Kuttner in Berkeley/Kalifornien lehnte er ab.

In seiner Dissertation analysierte er die Lehren des Erzbischofs Nicolaus de Tudeschis (Panormitanus) über den Kirchenbegriff und die Kirchengewalt, das Verhältnis von Konzil und Papst, Kardinälen und Bischöfen. Nörr war von 1967 bis 2007 Mitherausgeber der Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Kanonistische Abteilung. Die Zeitschrift entwickelte sich durch Nörrs Wirken zu einem zentralen Forum für die internationalisierte Forschung zum mittelalterlichen kanonischen Recht. Nörr wurde 1970 auswärtiges wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und 1998 ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.[1] Die Universität Siena und die Universität Yokohama (Toin-Universität) verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. Nörr starb an seinem 83. Geburtstag. Er wurde auf dem Stadtfriedhof Tübingen begraben.

Schriften

  • Die Leiden des Privatrechts. Kartelle in Deutschland von der Holzstoffkartellentscheidung zum Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (= Beiträge zur Rechtsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Bd. 11). Mohr, Tübingen 1994, ISBN 3-16-146226-2.
  • Zwischen den Mühlsteinen. Eine Privatrechtsgeschichte der Weimarer Republik (= Beiträge zur Rechtsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Bd. 1). Mohr, Tübingen 1988, ISBN 3-16-645324-5.
  • Zur Stellung des Richters im gelehrten Prozeß der Frühzeit: Iudex secundum allegata non secundum conscientiam iudicat (= Münchener Universitätsschriften. Bd. 2). Beck, München 1967.
  • Kirche und Konzil bei Nicolaus de Tudeschis (Panormitanus) (= Forschungen zur kirchlichen Rechtsgeschichte und zum Kirchenrecht. Bd. 4). Böhlau, Köln 1964.