Forensische Psychiatrie

Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.
Forensische Psychiatrie des Bezirksklinikums Ansbach
Eingangsgebäude der LVR-Klinik Köln, Forensische Psychiatrie

Die Forensische Psychiatrie ist ein Teilgebiet der Psychiatrie, das sich mit der Begutachtung, der Behandlung und mit der Unterbringung von psychisch kranken Straftätern befasst. Psychiater können die Bezeichnung „Schwerpunkt Forensische Psychiatrie“ führen, wenn sie die von der Ärztekammer in der Weiterbildungsordnung definierten Bedingungen erfüllen.

Im engeren Sinn befasst sich die forensische Psychiatrie mit Fragen, die von Gerichten und Behörden im Gebiet der Psychiatrie gestellt werden. Gutachten in der forensischen Psychiatrie haben eine größere Bedeutung als in anderen medizinischen Fachgebieten, weil ihnen freiheitsentziehende Maßnahmen folgen können. Die gutachterliche Beurteilung befasst sich bevorzugt mit den Voraussetzungen der § 21 StGB geregelt sind.

Für die Ermittlung der Frage, ob ein Täter bei Begehung der Tat dazu in der Lage war, das Unrecht seines Handelns zu erkennen und nach dieser Einsicht zu handeln, kann die Einholung eines Sachverständigengutachtens notwendig werden. Dies ist in der Regel bei dem Verdacht auf psychische oder neurologische Erkrankungen des Täters angezeigt, die seine Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit beeinträchtigen können. Auf Grundlage des Gutachtens entscheidet das Gericht, ob der Täter zum Tatzeitpunkt (vermindert) schuldfähig gewesen ist. Der begutachtende Arzt wird selbst keine Aussage über die Schuldfähigkeit treffen, da die Schuldfähigkeit eine Rechtsfrage ist, die vom Gericht im Rahmen der Hauptverhandlung zu beantworten ist. Er äußert sich lediglich zu der Frage, ob die Voraussetzungen zur Annahme einer Schuldfähigkeit vorliegen.

Kommt das Gericht zum Schluss, ein Täter sei nicht schuldfähig gewesen oder kann dies zumindest nicht ausgeschlossen werden, entscheidet es sich (Letztentscheidungsbefugnis) nach einer Prüfung des Gutachtens auf Plausibilität und abhängig von der Schwere der Schuld und der Wiederholungsgefahr gegebenenfalls für eine Unterbringung und Behandlung des Straftäters in einem psychiatrischen Krankenhaus. Diese Art der Unterbringung nennt man Maßregelvollzug in Abgrenzung zum Strafvollzug. 2010 waren in Deutschland über 10.000 Personen in Krankenhäusern des Maßregelvollzuges untergebracht.[1]

Das deutsche Strafgesetzbuch sieht zwei Arten der forensisch-psychiatrischen Unterbringung vor: § 63 und § 64 StGB.