Einvernehmliche Scheidung

Von einer einvernehmlichen Scheidung ist häufig die Rede, wenn die Auflösung einer Ehe durch richterliche Entscheidung (§ 1564 BGB) ansteht, allerdings mit der Besonderheit, dass beide Ehegatten sich bezüglich der Ehescheidung als auch bezüglich der Scheidungsfolgen einig sind und vor Gericht dem Antrag auf Ehescheidung zugestimmt wird.

Eine einvernehmliche Scheidung bedarf vor dem Scheidungsantrag einiger Voraussetzungen:

Es muss Einigkeit bestehen, dass die Ehe geschieden werden soll, das Trennungsjahr sollte eingehalten sein und wenn für die Ehe der gesetzliche Güterstand gilt, muss Einigkeit über den Zugewinnausgleich bestehen und es müssen alle weiteren Scheidungsfolgen (z. B. Trennungs- und Nachehelicher Unterhalt) geklärt sein.[1]

Es muss also Einigkeit bezüglich sämtlicher Scheidungsfolgen bestehen.

Die Klärung dieser Aspekte muss nicht schriftlich festgehalten werden und für eine einvernehmliche Scheidung ist es auch nicht erforderlich, dass eine schriftliche Scheidungsfolgenvereinbarung geschlossen wurde oder geschlossen werden soll.[2]

Im Hinblick auf die anwaltliche Vertretung beim Scheidungsverfahren vor Gericht bestehen auch einige Besonderheiten:

Grundsätzlich besteht vor dem Familiengericht in Ehesachen und Familienstreitsachen Anwaltszwang[3] (§ 114 Abs. 1 FamFG).

Allerdings besteht von dem grundsätzlichen Anwaltszwang eine Ausnahme: Für die Zustimmung zur Scheidung, also bei einvernehmlichen Scheidungen besteht für den Antragsgegner keine Anwaltspflicht gemäß § 114 Abs. 4 Nr. 3 FamFG.

Bei der einvernehmlichen Scheidung ist es also nicht erforderlich, dass beide Ehegatten anwaltlich vertreten werden. Es reicht aus, wenn eine Partei einen Rechtsanwalt beauftragt, der den Scheidungsantrag stellt und der andere Ehegatte diesem lediglich zustimmt (Vgl. § 114 Abs. 4 Nr. 3 FamFG). Bei einer einvernehmlichen Scheidung genügt also nur ein Rechtsanwalt. Als Folge kommt es zu einer großen Kostenersparnis, denn die Kosten für den zweiten Rechtsanwalt entfallen so komplett.

Die Vorteile einer einvernehmlichen Scheidung für die Ehegatten sind die Kostenersparnis (teilweise wird von einer Streitwert-Reduzierung von 25 % ausgegangen[4]) und das Scheidungsverfahren nimmt regelmäßig weniger Zeit in Anspruch.

  • einzelnachweise

Einzelnachweise

  1. Gabriele Weintz: Wie eine einvernehmliche Scheidung Zeit und Geld spart. In: Focus. Focus, 29. November 2016, abgerufen am 2. Januar 2019.
  2. Christian Kieppe: Einvernehmliche Scheidung. In: Christian Kieppe. Rechtsanwalt Christian Kieppe, 6. September 2017, abgerufen am 2. Januar 2019.
  3. Ludwig Kroiß, Christian Seiler: Das neue FamFG. 1. Auflage. Nomos, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-8329-3258-9, S. 56, § 3 Rn. 21.
  4. Sebastian Einbock: Einvernehmliche Scheidung - Voraussetzung und Dauer. In: fachanwalt.de. Einbock GmbH, 1. März 2016, abgerufen am 2. Januar 2019.
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