Ölzucker

Porzellanmörser mit Pistill

Ölzucker oder Elaeosacchara (Einzahl: Elaeosaccharum) waren pulvrige Mischungen aus Zucker und flüchtigem Öl.[1]

Die Darstellung erfolgte durch Mischung und Reiben mittels Pistill im Porzellanmörser. Dazu wurde eine kleine Menge gepulverten Zuckers in einen Porzellanmörser gegeben, das ätherische Öl darauf getröpfelt, auf dieses wieder eine Schicht Zucker geschüttet und dann mit einem Pistill das Ganze innig gemischt. Hierauf erfolgte nun allmählich und unter Reiben bzw. Mischen der Zusatz der übrigen Menge Zucker.[2]

Da die mit ätherischen Ölen bereiteten Ölzucker nicht lange haltbar waren, mussten sie bei jeder Bestellung neu angefertigt werden. Sie dienten meist zur Geschmacksverbesserung von Arzneien und zum Lösen von Koliken.[3][4]

Zur Herstellung der in der Homöopathie verordneten Milchzuckerverreibungen wird pulverisierter Milchzucker verwendet.

Neuzeit

In der ersten Preussischen Pharmacopoe aus dem Jahre 1799 wurden Ölzucker aus Anisfrüchten, Zimtrinde, Fenchelsamen, Pfefferminzkraut und Zitronenschalen aufgeführt. Auch in der ersten Deutschen Pharmacopoe aus dem Jahre 1872 und noch in der 1951 herausgegebenen Neuauflage des 6. Deutschen Arzneibuchs wurden Ölzucker – wenn auch nur kurz – erwähnt.[5][6][7][1] Im österreichischen Arzneibuch wurden die Ölzucker noch bis in die Ausgabe 2007 (ÖAB 2007) geführt.[8]

Elaeosacchara per affrictionem wurden Zubereitungen genannt, die durch Abreiben von Zitronenschalen, Pomeranzenschalen oder Vanilleschoten mit einem festen Stück Zucker hergestellt wurden, bis der Zucker eine genügende Menge flüchtigen Öls aufgesogen hatte oder seine äußere bis zu 2 mm dicke Schicht verfärbt erschien. Man schabte dann mittels eines Messers den gefärbten Teil des Zuckers ab. Diese Operation wurde so oft wiederholt, bis die gewünschte Menge Ölzucker gesammelt war. In einem warmen Porzellanmörser zerrieb man diese zu Pulver.[9][10][11]